Comeback eines vergessenen Stars: Malvasia de Banyalbufar

Sie befeuerte römische Gelage und war auch Jahrhunderte später noch beliebt bei Königshäusern in ganz Europa – bis ihr im späten 19. Jahrhundert die Reblaus den Garaus machte… Und erst Jetzt, nach über 100 Jahren krankem und wildem Wucherns auf den terassenförmig angelegten Klippen von Banyalbufar darf die Malvasiatraube ihr Comeback feiern: Aufgepropft auf amerikanische Rebstämme sind die genetisch gesundeten Urenkel der einst mächtigen Weißweinrebe bereit erneut den Olymp zu erklimmen!

Die Bodega Son Vives ist ein kleines Familienunternehmen am Ortsausgang des Bergdörfchens Banyalbufar. Schon die Anreise durch das Tramuntana Gebirge das sich entlang der Westküste der Baleareninsel zieht und Weltkulturerbe ist, ist etwas Besonderes. Die Serpentinen führen uns durch ummauerte Felder, üppige Wälder, vorbei an schroffen Klippen und der unendlichen Weite des Meeres.

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Gruppen von Radsportlern kämpfen sich die Strecke hinauf, um uns an anderen Stellen in einem gefährlichen Affenzahn entgegenzufliegen. Das hier ist ein anderes Mallorca als das unten in der Ebene, in der sich das alljährliche, urlaubliche Strandleben abspielt.

Juxta Mare steht am Eingang, was übersetzt bedeutet „Am Meer“. Und  tatsächlich hat man von der Terasse einen wunderschönen Ausblick auf das satte, schier endlose Blau. Bevor wir Verkosten, schauen wir uns eine der 8 Parzellen der Bodega genauer an.

Die Parzellen liegen verteilt um Banyalbufar herum – von nur 40 Metern über dem Meer bis hin zu über 100 Metern, erklärt uns Luna. Sie ist halb Deutsche halb Malloquinerin und betreut die Tastings der Bodega. Sonnenstunden, Sonneneinstrahlung, Böden, Bewuchs, Winde – jede Parzelle ist ein Einzelstück und muss separat betrachtet und auf der Basis ihrer Eigenheiten bewirtschaftet werden. Das gemähte Gras das unter unseren Füßen knackt, schützt zum Beispiel die Erde vor dem zu schnellen Austrocknen.

Winzer Antonio Darder hat vor Jahrzehnten gemeinsam mit der Universitat des les Iles Balears das Projekt zur Regenerierung der kranken Malvasia-Reben, die auf seinem Grundstück ihr tristes Dasein fristeten, gestartet. In einem langwierigen Prozess wurden die gesunden Gene der alten Reben extrahiert und die zarten neuen Pflänzchen auf einen Widerstandsfähigen amerikanischen Stamm gepropft. Erst seit etwa 10 Jahren sind diese Urenkel der alten Malvasia zertifiziert und am Markt zugelassen.

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Beim Aufstieg zur Bodega fällt mir ein fast leeres Bassin ins Auge. Man darf wässern solange der Vorrat reicht, bestätigt Luna. Das Wasser kommt aus einer kleinen Gebirgsquelle von der schon die alten Römer Gebrauch gemacht haben. Aufwendig wurden mehrere Leitungen ins Dorf verlegt. Indem ein Stein hin und her gerollt wurde, konnte ein Wasserweg versperrt und das Wasser gezielt in eine andere Leitung gelenkt werden. Systematische Wasserverteilung seit der Antike: Montags Bauer A, Dienstags Bauer B und so weiter. Die alten römischen Leitungen werden auch heute noch verwendet. Für Überschuss- aber auch für fallendes Regenwasser haben die Weinbauern später große Wasserbassins angelegt. So kann man nach Bedarf wässern und ist nicht an einen bestimmten Tag gebunden. Es gibt im Sommer aber auch immer wieder Phasen des Darbens, in denen die Bassins leer sind und sogar die Quelle versiegt…

Die Malvasia hat die Eigenheit, dass sie trotz steigendem Zuckergehalt immer noch genügend Säure produziert. So war es auch im besonders trockenen und heißen Sommer 2016 noch möglich einen balancierten und nicht zu süßen Wein herzustellen. Vergleichbar ist sie in dieser Eigenschaft eigentlich nur mit dem Riesling. Der 2012er Malvasia aus der Magnumflasche ist dann allerdings doch sehr extravagant im Geschmack und nicht so einfach zu trinken.

Bei Son Vives läuft fast alles per Hand, von der Lese über das Abfüllen bis hin zum Labeln der Flaschen. Produziert wird im Jahr eine überschaubare, aber hoch qualitative Menge von etwa 18.000 Flaschen Malvasia und einem Negre – eine Cuvée aus den internationalen Sorten Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah und den einheimischen Sorten Callet und Manto-Negro. Während die Stahltanks in der kleinen Bodega mit Verkostungsterasse stehen, lagern die Holzfässer im heimischen Weinkeller der Familie Darder.

Der Leitspruch der mallorquinischen Winzerfamilie hängt in der Minitoilette: Keep Calm and Drink Malvasia.

 

Mehr Informationen zur Bodega findet ihr auf der Facebookseite: www.facebook.com/bodegasonvives

 

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