100 Weine, 100 Punkte: Ribera del Duero in der Blindverkostung

Ende August war ich in Düsseldorf zum Event „Best of Blogger“ der spanischen Weinregion Ribera del Duero eingeladen. Nach fast 1,5 Jahren Homeoffice eine herrliche Abwechslung. Gemeinsam mit neun bekannten deutschen Weinbloggern, aufgeteilt in zwei Gruppen, durfte ich in Form einer Blindverkostung 50 Weine verkosten. Gruppe A verkostete die ersten 50 Weine, Gruppe B weitere 50. So kamen wir insgesamt auf 100 Rosados und Rotweine aus der spanischen Weinregion Ribera del Duero. Diese wurden von uns mit dem für Wein gängigen Punktesystem von bis zu 100 Punkten bewertet. Aber wie bewertet man einen Wein denn überhaupt in diesem System?

Meine persönlichen Highlights sowie die offiziellen, gemittelten Ergebnisse des Kommunikationsbüros Ribera del Duero findet ihr weiter unten in diesem Text.

Das 100 Punkte-System der Weinkritiker

Zunächst einmal sollte allen folgendes klar sein: Sehr selten nur gibt es einen Wein mit 100 Punkten. Das ist dann das Nonplusultra. Der perfekte Wein. Nach dem willst du nichts anderes mehr trinken. Zudem fängt man erst ab ca. 80 Punkten an zu zählen. Alles was unterhalb von 80 Punkten angesiedelt wird, ist im Prinzip für Fachleute nicht erwähnenswert.

Wir bewegen uns also an diesem Verkostungstag zwischen 80-83 gut, 84-87 sehr gut, 88-91 exzellent. Ab hier sind es quasi nur noch Nuancen. Und wenn wir ehrlich sind ist es manchmal sogar die Tagesform des Verkosters. Weshalb große Weine auch mehrfach und von verschiedenen Personen getestet werden um ein möglichst objektives Ergebnis zu erhalten.
Ab den Punkten 92-95 wird es groß und individuell. Bei 96-98 Punkten sprechen wir von außergewöhnlicher Spitzenqualität und letztlich bei 99-100 Punkten von einem schlicht überwältigenden Wein. Insofern ist es dann auch egal, ob dort eine 99 oder eine 100 steht.
So weit sind wir bei unseren Bewertungen allerdings nicht gekommen. Aber lest selbst!

Das blinde Verkosten von Wein

Das Betreten des Verkostungsraums war ein bombastischer Anblick! 100 exakt aufgereihte, mit schwarzem Stoffmantel überzogene und nummerierte Weinflaschen warteten in der Raummitte bereits auf uns.
Gefragt war bei diesem Tagespensum natürlich das konzentrierte Arbeiten an Glas und Laptop. Alle Eindrücke wollten dokumentiert und gesichert werden. Bis auf das leise Surren der Klimaanlage hörte man nur hier und da ein zaghaftes Klirren, gefolgt von einem leisen Schlürfen. Geachtet wurde auf Farbe, Viskosität, Geruch, Geschmack und die Länge des Abgangs. Gibt es Fehltöne oder besondere Nuancen? Fehlt Frucht, wie hoch ist der Restzucker, wie kräftig die Tannine? Ausbau im Holz oder Tank? Wie viel Trinkfluss ist da?
Bei 50 Weinen an einem Arbeitstag wurde beim Verkosten natürlich der Spucknapf ausgiebig genutzt. Wir brauchten schließlich einen klaren Kopf um auch noch die Weine mit der Nummer 49 und 50 ernsthaft bewerten zu können.

Präsentiert wurden uns die Flaschen erst nach der abgeschlossenen Veranstaltung. Während des Verkostens wurden sie mit ihren schwarzen Mäntelchen durch die Reihen gereicht. So wird generell bei solchen Veranstaltungen verhindert, dass jemand ein ihm bekanntes Weingut bevorzugt bewerten kann.

Die D.O. Ribera del Duero im Überblick

Obwohl in der Region im nordwestlichen Spanien bereits seit über 2.000 Jahren Weinbau betrieben wird, wurde die D.O. Ribera del Duero als definiertes Weinanbaugebiet erst 1982 gegründet. Sie gehört zu der Region Castilla y Leon. Im frühen Mittelalter war der Fluss Duero die Grenze zwischen den Christen mit ihren Klöstern und Sakralbauten im Norden und den Mauren im Süden des heutigen Spaniens. Er ist knapp 900 km lang und mündet bei Porto in den Atlantik. Heute wachsen an seinen Hängen auf Lehm, Stein oder Kalk in der Ribera Tempranillo Trauben von höchster Qualität. In Portugal beherbergen sie die Reben des berühmten Portweins.

Das Klima der Ribera ist kontinental geprägt. Es gibt nur wenig Niederschlag im Jahr, dafür aber bis zu 2.400 Sonnenstunden. Ein Paradies um üppige, fruchtbetonte Rotweine mit viel Schmelz zu produzieren. Solltet ihr einmal hinfahren so habt ihr vor Ort eine riesige Auswahl an unterschiedlichen Weingütern: Auf knapp 24.000 Hektar bauen rund 8.000 Weinbauern an und etwa 300 Kellereien aus. Es gibt also viel zu entdecken!

Meine persönlichen Highlights

Die 50 Weine an diesem Verkostungstag gab es eingeteilt nach Weintypen in 10 sogenannten Flights, das sind die Runden in denen ausgeschenkt wird. In einem Flight gab es jeweils fünf Proben. Wir konnten also immer direkt fünf unterschiedliche Weine gegeneinander probieren und so unsere persönlichen Vergleiche ziehen. Vorab waren alle 100 Weine von Peer F. Holm, amtierender Präsident der Sommelier-Union Deutschland, in die folgenden vier Gruppen eingeteilt worden: Rosados, Junge Weine (2018-2019), leicht gereifte Weine (2016-2017) und länger gereifte Weine (2015 und älter).

Meine persönlichen Favoriten in den einzelnen Flights waren:

Meine Favoriten in Reihenfolge.

Flight 1 „Rosado

Sarmentero Rosado, 2020, María Amparo Repiso Vallejo
(Offiziell 84 Punkte)
Mein Kommentar: „Pink im Glas. Nase sehr fruchtig süß Richtung Pink Port, am Gaumen viel Zug, sehr animierende Säure, Sommerwein!“

Die folgenden Weine sind – falls nicht anders beschrieben – alle rubinrot im Glas.

Flights 2 -5 „Junge Weine

Cune Ribera Del Duero, 2019, Sociedad Vinicola Villalba
(Offiziell 89 Punkte)
Mein Kommentar: „Nase mit ganz leichtem Eisen, dunkle Beeren,
Gaumen recht Tannin geprägt, noch wild unterwegs, etwas Tabak.“

Adaro De Pradorey Crianza, 2018, Real Sitio De Ventosilla
(Offiziell 92 Punkte)
Mein Kommentar: „Vanillenase mit viel Kirsch, harmonisch und sanft auf der Zunge.“

Ferratus A0 Genérica, 2018, Bodegas Cuevas Jiménez
(Offiziell 90 Punkte)
Mein Kommentar: „Zartes Holz in der Nase, wenig fruchtig, leichter Anklang von Parfum. Am Gaumen interessant weil kräftig und Tannine gut eingebunden.“

Tinto Figuero 12 Crianza, 2018, Viñedos Y Bodegas García Figuero
(Offiziell 91 Punkte)
Mein Kommentar: „Nase von Erdbeer, Waldbeer und Vanille. Vanille auch am Gaumen, würzig, präsente Tannine, leichte Süße greifbar, langer Nachhall.“

17 Crianza, 2018, Bodegas Pinea Del Duero
(Offiziell 91 Punkte)
Mein Kommentar: „Voller Extrakt, Nase nach Johannisbeere und Kirsch. Leichte Süße und präsente Säure, Tannine gut eingebunden, leichter Tabak, harmonisch.“

Flights 6 – 8 „Leicht gereifte Weine“

La Capilla, 2017, Bodegas Finca La Capilla
(Offiziell 91 Punkte)
Mein Kommentar: „Purpur mit schwarzen Reflexen. Nase nach süßen Pfefferminzpastillen. Weich und mollig im Mund, Kirsche und kräftige Tannine, Säure sehr gut eingebunden.“

Tamaral Crianza, 2016, Bodegas Y Viñedos Tamaral
(Offiziell 92 Punkte)
Mein Kommentar: „Nase mit Kirsche, Johannisbeere und etwas Schnittlauch. Am Gaumen schön fruchtig nach Kirsche, gutes Säure- und Tanningerüst, weicher Abgang.“

12 Linajes Crianza, 2016, D.O.5. Hispanobodegas
(Offiziell 92 Punkte)
Mein Kommentar: „Purpur, im Glas sehr dicht. Leicht alkoholisch in der Nase, Süßkirsche. Rote Beeren am Gaumen, etwas Pflaume, Säure gut eingebunden, Tannine präsent, leicht süßlich.“

Convento Oreja Memoria Reserva, 2016, Convento De Oreja
(Offiziell 92 Punkte)
Mein Kommentar: „Kräftig leuchtend. In der Nase zartes Holz aber generell verhalten, leicht süß auf der Zunge.“ 

Viña Mayor Reserva, 2016, Grupo Bodegas Palacio 1894
(Offiziell 93 Punkte)
Mein Kommentar: „Granatreflex. Fruchtige Nase nach Kirsche. Am Gaumen süß und würzig aber dennoch geschmeidig.“

Flights 9 – 10 „Länger gereifte Weine

Tamaral Reserva, 2015, Bodegas Y Viñedos Tamaral
(Offiziell 93 Punkte)
Mein Kommentar: „Nase von dunklen Früchten wie Brombeere. Leichte Süße, am Gaumen fleischig, dicht, leicht süß, gute Säure, weiche Tannine, langer Abgang.“

F De Fuentespina Reserva, 2014, Avelino Vegas
(Offiziell 94 Punkte)
Mein Kommentar: „Kräftige Nase nach Holz, dunklen Beeren. Am Gaumen Pflaume, Veilchen, sehr würzig, kräftige Tannine aber nicht aufdringlich.“

Alle offiziellen Ergebnisse zur Verkostung findet ihr auf der Webseite der Region Ribera del Duero zum Nachlesen.

Die Jury des „Best of Blogger“ Event

Konstantin Baum (Meine Lese), Daniel Bayer (Wein Verstehen), Björn Bittner (BJR Le Bouquet), Felix Bodmann (Der Schnutentunker), Jana Kreilein (The Wine Girl), Matthias Neske (Chez Matze), Nikolas Rechenberg (Nikos Weinwelten), Marco Sansalone (The Wineblogger), Iris Shafie (Meine Auslese), Tobias Treppenhauer (Weinlakai)

Weitere Infos zur Region Ribera del Duero und den Weinen findet ihr hier:

riberadelduero.es/de

Artikel zu: spanischer Wein, Tempranillo, Ribera del Duero

3 Gedanken zu „100 Weine, 100 Punkte: Ribera del Duero in der Blindverkostung“

      1. Dann läuft es. Zu sehen ist aber ungern in Filmen, letztens waren die der Kleidung nach im Sommer auf Sardinien, der Feinschmecker stöpselt eine Flasche aus dem offenen Lagerregal auf, schätze 26°C, und alle: oooh (wie sind die blöd). Dazu reicht der von Penny, 1l 1€., Tetra. Im ZDF, ein Weingutkrimi aus Meran, zur Lese, angeblich 200€ Pullen, werden auch brühwarm verkostet. Deutsche sollten besser Bierfilme machen. Das wäre Ouzo.

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