Wein selber machen (3/3): Vom Gärballon in die Flasche

Frisch in den Gärballon gefüllt braucht der Most erst einmal nichts außer einer möglichst konstanten, warmen Temperatur und viel Ruhe. Auch wenn ich jeden Tag hingehe und dem Blubbblubb des Gärröhrchens lausche, muss ich mich wohl die nächsten Wochen in Geduld üben… es passiert erst einmal nicht mehr als das.

Nach abgeschlossener Gärung hört das ambitionierte Blubbern dann von einem auf den anderen Tag auf. Die Hefen haben den Zucker fertig aufgegessen und Alkohol produziert. Ruhe kehrt ein.

Das ist für mich das Zeichen den Wein vom angenehm warmen Raum in einen deutlich kühleren Raum umzusiedeln. Denn jetzt geht es darum, den trüben, Federroter ähnlichen Wein, zu klären. Ich habe mich nach dem missglückten Versuch mit der Hefe aus Kapitel 2 gegen das im DIY-Weinkit beigelegte Klärmittel entschieden. Ich möchte, dass sich mein Wein möglichst natürlich weiterentwickelt.

Und so schenke ich meinem jungen Wein weitere Wochen bis kurz vor Weihnachten. In dieser Zeit senken sich die Unreinheiten und Schwebeteilchen im Gärballon von alleine ab und setzen sich als Depot auf dem Boden fest. Es sieht aus wie rosarot gefärbter Schlick. Ich hätte nicht gedacht, dass in diesen knapp 4 Litern eine solche Menge an festen Teilchen drin sein würde.

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Als ich den Wein dann Anfang Dezember endlich in die frisch ausgewaschenen und hygienisch einwandfrei sauberen Flaschen abfülle, sind durch das Depot tatsächlich nur 3 anstatt der erhofften 4,5 Flaschen drin. Das Umfüllen aus dem Gärballon in die Flaschen mache ich mit einem einfachen Trichter. Ganz vorsichtig schütte ich die Flüssigkeit und achte dabei darauf den Gärballon nicht zu viel und nicht zu schnell zu bewegen, damit sich das Sediment nicht löst und schön unten bleibt. Den letzten Rest der Flüssigkeit muss ich trotz allem leider im Gärballon lassen, sonst rutscht unweigerlich Depot nach.

Die Flaschen werden dann mit den im DIY-Kit beigelegten Naturkorken verschlossen, mit einem eigenen Label versehen und im Liegen im Keller gelagert.

Nachdem ich die Flaschen nach einiger Zeit im Keller noch einmal durchleuchte, sehe ich, dass sich sogar hier noch Depot ablagert. Der Wein muss vor dem trinken also dekantiert, oder mit einem integrierten Sieb ausgegossen werden.

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Als ich an Weihnachten die erste Flasche öffne, ist das Feedback reichlich und – wie soll ich sagen – vielfältig! Meist Wohlwollen vermute ich schlicht. Mein eigenes, selbstkritisches Urteil lautet jedoch: Es ist noch deutlich Luft nach oben! 🙂

Aber ich bin dennoch stolz, ein alkoholisches Getränk, welches eine Anmutung von Wein hat, mit meinen eigenen Händen erschaffen zu haben.

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Ein Gedanke zu “Wein selber machen (3/3): Vom Gärballon in die Flasche”

  1. Hallo,
    ich weiss nicht inwiefern Dein Blog noch aktuell ist, aber du solltest in Zukunft einige weitere Dinge beachten:
    1.) Beim Pressen solltest du nicht allzu energisch vorgehen: Zum Schluss kommen da mehr Gerbstoffe als toller Saft raus, das ist nicht sonderlich förderlich für den Geschmack 😉
    2.) Bei der Gärung ensteht Alcetaldehyd und liegt frei im Wein vor. Das wird Dir vielleicht nichts sagen, aber das ist im Prinzip das, was Kopfschmerzen am nächsten Tag verursacht :l Durch Zugabe von Schwefel wird dieses Acetaldehyd „gebunden“ und schützt deinen Wein gleichzeitig vor Oxidation und mikrobiologischer Aktivität (es könnte sein dass, dein Wein auf der Flasche nochmal anfängt zu gären oder BSA macht, deinen Korken würde es aus der Flasche schießen und der gute Wein wäre weg :l )
    3.) Du solltest schauen, dass du mehr erntest und den Glasballon komplett füllen kannst. Luft ist nicht gut für den Wein, auf lange Sicht oxidiert er. Wenn der Ballon voll ist, passiert das nicht und dein Wein wird um einiges besser schmecken! 🙂

    Viel Spaß mit dem nächsten Jahrgang,

    Gruß Udo14

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